Museum in den Berglen

Evakuierte in Berglen - Der Film

Während des Zweiten Weltkriegs gab es viele Evakuierte aus der Pfalz, dem Saarland und aus Stuttgart in Berglen und der Umgebung von Winnenden. Der Rettersburger Lehrer Johann Forberger hat allein 24 Evakuierte aus der Pfalz und 14 aus Zweibrücken in Rettersburg festgehalten. Im Buch von Werner Hofmann werden in den Ratsprotokollen 90 Evakuierte aus Schweigen, Landkreis Bergzabern in der Pfalz erwähnt. Vor der herannahenden Westfront wurden die Dörfer im Bereich des „Westwalls“, einer stark befestigten Verteidigungslinie nahe der Grenze, geräumt. Zuerst Frauen und Kinder Mitte 1944. Im Herbst 1944 folgten die Burschen und alten Männer. Die jungen Männer waren ja an der Front. Nach den Filmen über das Kriegsende in Berglen und Winnenden sowie „Vor 70 Jahren – Aus der Heimat vertrieben!“ hat sich Diethard Fohr vom Heimat- und Museumsverein Berglen zusammen mit Kameramann Fritz Wirth dem Thema der Evakuierten in Berglen zugewandt.

Den Auftakt bildete die 82-jährigen Ursula Dzwikowsky, welche nach über 72 Jahren an den Ort ihrer Evakuierung während des Zweiten Weltkrieges, den Oberweilerhof, zurück kehrte. Bei Kaffee und Kuchen feierte sie ein frohes Wiedersehen mit ihren damaligen Kindheitsfreundinnen Gerda Schopp, Gerda Schniepp und Hildegard Jeutter.
Dr. Wolfgang Müller aus dem bombenbedrohten Stuttgart fand bei seiner Oma in Steinach zu Beginn des Schuljahres 1943/44 Aufnahme. Es kam eine komplette Schulklasse mit Schülern aus Stuttgart, einschließlich ihres Lehrers Herrn Bauer, nach Steinach und Reichenbach. Fräulein Dierlamm war seinerzeit ebenfalls Lehrerin, wie aus seinem Zeugnis zu entnehmen ist. Neben der unvergesslichen Nacht vom 2. März 1944, als er im Keller saß und das Haus von einer Brandbombe getroffen wurde, war ihm vor allem das Wiedersehen mit Else Fichtner geb. Friz wichtig. Sie wurde damals oft von seiner Oma betreut, während ihre Eltern mit dem Obsthandel beschäftigt waren. Martin Fischer aus Höfen erzählte von den schlauen „Stuagarter Bürschla“, welche zusammen mit ihm die Oberschule in Winnenden besuchten. Oberschüler aus den Berglen waren damals noch eine Rarität. Bei einem Besuch in Schweigen in der Südpfalz, direkt an der französischen Grenze zu Wissembourg (Weissenburg) und bekannt durch das Weintor, traf das Filmteam den 88-jährigen, sehr fitten Werner Theilmann sowie den Wengerter und Gastronom Willy Schäffer. Beide waren, wie zahlreiche Schweigener, nach Rettersburg evakuiert. Gerne erzählten sie aus jenen Tagen. Sie halfen in der Landwirtschaft und erlebten das Kriegsende hautnah. Mit dem Volkssturm sollten sie am Stöckenhof noch die Amerikaner aufhalten. Doch Ihr Anführer traf eine kluge und mutige Entscheidung. 14 Amtsblatt Berglen 26.10.2017 Nr. 43 Werner Theilmann und sein Sohn Klaus besuchten sogar mit dem Kleinfl ugzeug Rettersburg. Adelheid Peylow, geb. Jeutter war noch nicht geboren, als sie ihren Vater im Krieg verlor. Die 15-jährige Gertrud Brunck aus Schweigen wurde ihr geliebtes Kindermädchen. Der Kontakt bestand bis zum Tode von Gertrud Brunck. Bei allen Familienfeiern im Hause Jeutter war sie zu Gast. Gerhard Jeutter aus Bretzenacker fuhr 1950 mit seiner 98er NSU über die einzige noch befahrbare Brücke bei Karlsruhe-Maxau in die Vorderpfalz und nach Zweibrücken, um die Evakuierten aus seiner Nachbarschaft zu besuchen. Auch Emil Siegle aus Bretzenacker sowie Karl und Hilde Wilhelm aus Öschelbronn berichten über ihre Zeit mit den Evakuierten.

Der Film hat Premiere am Sonntag, 5. November 2017 um 15.00 Uhr im Bürgerhaus in Rettersburg. Sie sind herzlich eingeladen! Im Anschluss gibt es bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zu guten Gesprächen. Mehrere ehemalige Evakuierte werden zu Gast sein!

Mitwirkende im Film:

Evakuierte:
Ursula Dzwikowsky aus Zweibrücken, Werner Theilmann und Willy Schäffer aus Schweigen-Rechtenbach, Dr. Wolfgang Müller aus Stuttgart

Einheimische:
Gerda Schopp und Gerda Schniepp vom Oberweilerhof, Hildegard und Gerhard Jeutter sowie Emil Siegle aus Bretzenacker, Martin Fischer aus Höfen, Karl und Hilde Wilhelm aus Öschelbronn, Else Fichtner und Irmgard Hellerich aus Steinach, Adelheid Peylow, geb. Jeutter und Elisabeth Hahn aus Rettersburg.